Jaguar E-Type
Überstellungsfahrt von Deutschland nach Österreich

Long story - short: alles ging gut und problemlos. What else?


Was soll schon schiefgehen, wenn man beschließt mit einem fast 30 Jahre alten Daimler Double Six (X300) mit unserem TECHNICAL SERVICE Anhänger ca. 650 Km von Simbach am Inn nach Remagen am Rhein zu fahren, einen Jaguar E-Type erstmals zu besichtigen und - wenn alles vermeintlich passt - mit dem fast 60 Jahre alten E-Type ca. 900 Km von Remagen nach Wien zu fahren? Wenig bis nix - eigentlich. Die Autos tragen bewährte, britische Technik mit sich herum (Stichwort Lucas) und den Fahrern rinnen die Glückshormone aus den Ohren.


Aber alles schön der Reihe nach.

Ein jahrelang gehegter Traum


Ein Jaguar E-Type zählte schon seit unzähligen Jahren zu meinem automobilen Traum. Bei jedem Probesitzen in so einem Auto musste ich mich zwingen, wieder auszusteigen. Viele von euch werden das kennen: du bist von einem Auto fasziniert, recherchierst immer wieder im Internet, richtest Suchagenten auf allen möglichen Kauf-Plattformen ein und du wartest auf den richtigen Moment, auf das richtige Fahrzeug. 

Machen wir es nicht zu spannend. Eines Tages fand ich den E-Type, um den es in dieser Story geht. Eine Serie 1,5 mit 4,2 Liter Motor - ein rotes Coupé aus dem Jahr 1968. Also: worauf noch warten und kurzerhand mit dem Verkäufer - in diesem Fall ein Händler - Kontakt aufgenommen. Die Kommunikation passte von Beginn an und ich bekam alle Informationen, die ich wollte. Sehr offen und ehrlich. Das kam äußerst sympathisch rüber. Einziger Wermutstropfen: das Auto steht in Remagen am Rhein - das ist etwas südlich von Bonn. Google Maps fabuliert etwas von ca. 900 Km und knapp 9 Stunden Fahrzeit von Wien nach Remagen zum Wunsch E-Type.

Wahre Freunde...


...erkennt man an ihren Taten. Hannes ist so einer. Ich erzählte ihm von meiner Entdeckung im Internet und hoffte auf den freundschaftlichen Rat, dass das Auto eh zu weit weg steht, die Karosserie vermutlich versteckte Rostprobleme hat, der Motor sicher bald kaputt sein wird, die Elektrik ohnehin nicht in den Griff zu bekommen ist und und und.


Weit gefehlt! Mein lieber Freund Hannes lauschte gespannt meinen überschwänglichen Ausführungen und meinte nur trocken: "Alles klar. Den E-Type müssen wir uns vor Ort anschauen. Wann fahren wir los?". Echt jetzt???

"Und was machen wir, wenn der OK ist? Wie bringen wir die Schüssel dann nach Wien?", haspelte ich mit trockener Kehle. "Na du setzt dich rein und fährst damit nach Hause", erwiderte Hannes ebenso trocken, wie meine Kehle. Er ergänzte schelmisch grinsend, dass "eh nix passieren kann, weil wir den Anhänger voll mit Werkzeug, Öl, Kühlwasser und Ersatzteilen dabei haben!". Wenn das nicht beruhigend ist...

Der Plan


An sich ganz einfach: ich zu Hannes nach Simbach, wir mit dem 12-Ender und TECHNICAL SERVICE nach Remagen, wir im Konvoi nach Österreich.

Obwohl gerade vollkommen unpassend konnte rasch ein Termin gefunden werden. Die Aktion muss zwischen Sonntag und Dienstag hineingequetscht werden. Spielraum: null, nix, njente. Hannes besorgte ein fünf Tage gültiges Überstellungskennzeichen und wir beide hatten am Mittwoch nicht verschiebbare Termine. Zurück gab es nun keines mehr. Plan B: falls der E-Type im Zuge der Besichtigung gar nicht passt fahren wir einfach wieder zurück und hatten eine nette Zeit.

Es geht los


Am Sonntag hatte ich die Möglichkeit, mit Martin Sedlmaier von Wien nach Simbach zu gelangen - vielen Dank für die Mitfahrgelegenheit! Beim gemütlichen Abendessen in Braunau besprachen wir noch ein paar Details zur Reise. Aufbruch am Montag um 04:15 am Morgen. Wir wählten die Route über München, Ingolstadt, Nürnberg und Frankfurt nach Remagen - ca. 650 Km. Durch den zeitigen Aufbruch gelang es uns, nicht in die Berufsverkehr-Staus hineingezogen zu werden. 

Der mit ca. 80 Liter Fassungsvermögen völlig unterdimensionierte Tank des Daimler Double Six nötigte uns zum einen und anderen Tankstopp auf der Strecke. Erster Halt: Ingolstadt. Feinster Super-Sprudel für den Luxus-Daimler und Kaffee für unsere Luxuskörper. Der Daimler schluckte im Schnitt ca. 18 Liter / 100 Km.

Nürnberg ließen wir links liegen und ein größerer Stau kurz nach Frankfurt löste sich auf bevor wir dort waren. Der nächste Tankstopp war erst kurz vor dem Ziel notwendig, da sich der Daimler wohl eingroovte und sich mit einem äußerst günstigen Verbrauch von nur 14 l/100 Km erkenntlich zeigte. Um 12:30 Uhr trudelten wir bei Auto March in Remagen ein - völlig munter und voll Tatendrang.

Wir sehen uns das erste Mal


Wir kamen so gegen 12:30 Uhr beim Autohaus March in Remagen an und wurden freundlich vom Werkstattmeister empfangen. Die Worte "Der E-Type steht bereits in der Werkstatt auf der Hebebühne zur Besichtigung bereit" klangen wohltuend, so wie der Nachsatz "Ich lasse Sie mal alleine. Schauen Sie sich das Fahrzeug in Ruhe an, solange Sie wollen!". Das nenne ich Vertrauensvorschuss und nicht nach einem Versteckenwollen von Mängeln.

Da steht es nun, das 'schönste Auto der Welt'. Sein kräftiges Rot hochglanzpoliert und auf feisten 225er Gummis. Ein Anblick zum Niederknien. Aber... wir sind ja nicht (nur) zum Schauen da. Let's check the Jag!

Nach eingehender Untersuchung des roten Coupé's konnten wir nur eines feststellen: alles ist genauso, wie es davor per Email und Telefon beschrieben wurde.

Nächster Schritt: wir starten den Motor. "Röchel röchel röchel... kutz kutz... spotz... brabbelbrabbelbrabbelbrabbel". JA, er läuft... aber wie? Den armen Sechser reißt es in seiner Halterung herum und er beutelt sich wie ein nasser Langhaar-Dackel. DAS schaut nicht gut aus.

Wir rufen den Meister, der die Zündkerzen rausdreht, notdürftig abputzt und wieder reindreht. "Macht doch mal eine Probefahrt und dann schau'n wir weiter", so der zuversichtliche Master of Sparks. Etwas Kühlerflüssigkeit musste ergänzt werden. Da kam der TECHNICAL SERVICE zum Einsatz - wir hatten das richtige Fluid an Bord!

Die erste Probefahrt


Die ersten Meter wollte sich das gute Ding nur widerwillig auf der Straße bewegen. Vermutlich stand er zu lange nur doof herum und wusste nicht mehr so genau, wie es sich anfühlt, frei und ausgelassen die Frühlingsluft genießen zu dürfen. Die Lebensgeister scheinen zurückzukehren. Plötzlich zeigte der bereits totgesagte Drehzahlmesser wieder brauchbare Werte an und der Motor wurde von Meter zu Meter freier. Zumindest ein weiterer Zylinder verbrannte kostbares Benzin-/Luft-Gemisch wieder zu Abgas.

Eines schaffte dieses Auto bereits nach äußerst kurzer Zeit - egal ob mit vier, fünf oder sechs korrekt arbeitenden Zylindern. Ich war ihm verfallen - mit Haut und Haar. Der betörende Klang, die tiefe Sitzposition, das zarte Holzlenkrad, der Blick über die unendlich lange Motorhaube, der Geruch britischer Oldtimer,...  Hätte ich nicht zwei Ohren, ich würde im Kreis grinsen. Und das dauerhaft!

Zurück in der Werkstatt wurden die Zündkerzen nochmals herausgedreht und mit einer Drahtbürste gründlich geputzt. Jaaaaa!!! JETZT schnurrt das zufriedene Katzerl, wie es sein soll. Unsere Mission des ersten Tages in Remagen am Rhein war erledigt. Next step: abschließende Preisverhandlungen am nächsten Tag und eine spannende Heimreise.

Besuch bei Limora


Die Uhr zeigte ca. 15 Uhr. Wir waren uns einig: das ist zu früh, um den Tag bereits ausklingen zu lassen. Nach kurzer Recherche stellten wir fest, dass Limora nicht allzu weit von Remagen entfernt ist. Da ich einen passenden Kennzeichenhalter für den E-Type brauche und wir uns das Limora-Zentrallager ohnehin einmal ansehen wollten, machten wir uns mit dem Daimler Double Six und TECHNICAL SERVICE am Haken auf den Weg nach Buchholz. 

Etwas abgelegen ragt am Rande eines Industrieparks eine große Halle gen Himmel. Vom Shop hätten wir uns etwas mehr erwartet - statt Ersatzteilen oder Artikeln aus dem Oldtimer-Warenhaus gab es jede Menge Bücher in den Regalen. Vermutlich liegt der Schwerpunkt eher im Versand als im Direktverkauf vor Ort. Äußerst positiv gestaltete sich der Kontakt mit dem freundlichen Limora-Mitarbeiter, der uns gut beriet und der von unserem Gespann mit dem TECHNICAL SERVICE sehr angetan war.

Mit dem Spezial-Kennzeichenhalter und einem E-Type Keksausstecher unter dem Arm nahmen wir von Limora in Buchholz wieder Abschied und fuhren zurück nach Remagen.

Das Abendessen auf der Terrasse eines vorzüglichen italienischen Restaurants am Rheinufer während sich die Sonne am anderen Ufer hinter den Hügeln zurückzieht rundete diesen ereignisreiche Tag wohlgefällig ab.

Es wird ernst


Dienstag, 9 Uhr. Wir kommen bei 'Auto March' an und der Verkäufer erwartet uns bereits freudig. Nach einem Begrüßungskaffee besuchen wir gemeinsam mit ihm den E-Type in der Werkstatt - er ist noch da und ich glaube, er freute sich, uns zu sehen. Danach wickelten wir den Kauf im Büro ab, um uns gedanklich bereits auf den Weg zurück nach Österreich zu machen.

Ein letzter Check vor der Abfahrt: noch ein Schluckerl Motoröl hineinleeren und den Luftdruck aller Reifen (inkl. Reservereifen) auffüllen. Zu guter Letzt noch ein Abschiedsfoto vor dem Autohaus-Portal und dann konnte es losgehen.

Wien ruft


Nach dem kompletten Fahrzeug-Check stellt die Heimreise auf eigener Achse das zweite, weit spannendere Highlight dar. Vor mir und dem E-Type lagen über 900 Kilometer und über 10 Stunden Fahrt, die aus terminlichen Gründen heute erledigt werden musste.

Wir planten den ersten Tankstopp ca. 30 Km nach Remagen zur ersten Vollbetankung in Mülheim-Kärlich. Bis dahin könnten die ersten Auffälligkeiten beim Fahren bereits zu Tage treten. Die ersten Kilometer spulte ich angespannter ab als der E-Type, in der Hoffnung, dass er durchhält. Und das tat er auch klaglos.

Der nächste Halt war nach Frankfurt in Goldbach geplant. 160 Autobahn-Kilometer, die wir im Konvoi zurücklegen wollten. Die Idee dahinter: falls es Probleme mit dem E-Type gibt und ich damit am Straßenrand verende, eilt Hannes mit seinem Daimler und dem TECHNICAL SERVICE herbei wie der geölte Blitz, um den vermeintlichen Schaden flugs zu beheben. Wir müssen ja heute noch nach Hause!

Das 'schönste Auto der Welt' bahnte sich vollkommen relaxed seinen Weg durch die graue Welt der schnöden Alltagskutschen. Und immer wieder hörte ich ihn sagen: "Stay cool - we're on the right way back home". So gegen 13:40 Uhr kamen wir an und unsere Autos bekamen köstlichen Shell-Sprudel in die Tanks.

Hannes und ich vereinbarten, dass wir die Route über Regensburg und Passau nehmen und wir kurz nach Regensburg die nächste Pause einlegen würden. Wir passierten Würzburg und Nürnberg und kamen knapp 300 Km später kurz vor 17:30 Uhr in Neutraubling bei Regensburg an. Auch auf dieser Etappe spulte der E-Type Kilometer für Kilometer problemlos herunter. Er schnurrte, schärfte die Krallen, lockerte seine Muskeln immer mehr. Wir freuten uns schon auf die letzten 420 Kilometer, die bis Wien noch durchzuhalten waren.

Das Finale


Hannes fuhr die Strecke bis kurz nach Passau noch hinter mir - sollte doch noch irgendetwas passieren. Zum großen Glück war auf der gesamten Heimfahrt von Remagen nach Wien der Einsatz des TECHNICAL SERVICE nicht notwendig. Das Gefühl der Sicherheit, einen hilfsbereiten Freund und einen Anhänger voll Werkzeug und Ersatzteilen in der Nähe zu wissen, hätte ich nicht missen wollen.

Sicherheitshalber legte ich gegen 21 Uhr noch einen letzten Tankstopp bei St. Pölten ein. Danach machte ich mich mit meinem 'neuen' E-Type auf den Weg, um die letzten Kilometer bis Wien-Stammersdorf zu absolvieren. Ziemlich genau um Punkt 22 Uhr traf ich - erstaunlich frisch und munter - ein und meine liebe Eva erwartete mich in der Garage.

So schön, dass sie sich mit mir über den neuen automobilen Zuwachs freute, gleich einmal hinter dem Lenkrad Platz nahm und sich sichtlich wohl im Jaguar E-Type fühlte - im 'schönsten Auto der Welt'.

Danksagung


Größter Dank gebührt meinem lieben Freund, Hannes Schaffer - ohne ihn hätte es diese Aktion in dieser Form nicht gegeben! Danke für die mutmachenden Worte im Vorfeld, die kritischen Betrachtungen beim Prüfen des Fahrzeuges und die investierte Zeit, um dieses Vorhaben umsetzen zu können.

Danke an alle Beteiligten von 'Auto March' in Remagen, die in äußerst offener und angenehmer Art und Weise die Kaufabwicklung begleitet haben.

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