England
70th Anniversary
Es gibt Reisen, auf die freut man sich viele Monate im Voraus. Und es gibt Reisen, die einen noch lange begleiten, nachdem man wieder zu Hause angekommen ist. Unsere gemeinsame Englandreise anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Jaguar Drivers' Club zählt zweifellos zur zweiten Kategorie.
Für uns als Jaguar Daimler Club bedeutete das National Weekend weit mehr als nur die Teilnahme an einer Jubiläumsveranstaltung. Sie bot uns die seltene Gelegenheit, jene Orte zu besuchen, an denen Jaguar-Geschichte geschrieben wurde. Orte, an denen Sir William Lyons seine Vision verwirklichte, an denen legendäre Automobile entstanden und an denen bis heute der Geist dieser außergewöhnlichen Marke lebendig geblieben ist.
Unsere Reise führte uns von der historischen Rennstrecke Brooklands über Browns Lane, Jaguar Land Rover Classic und das British Motor Museum bis hin zum ehemaligen Wohnhaus und schließlich sogar zur letzten Ruhestätte von Sir William Lyons. Dazwischen lagen viele herzliche Begegnungen, eindrucksvolle Gespräche, typisch britische Pubs und unzählige Momente, die diese Reise zu etwas ganz Besonderem machten. Begleitet wurde ich von Sabine Weng, Birgit & Dirk Müller, Roswitha & Martin Muth, Mathias Warnecke und dessen Sohn Lukas, der während unserer Englandreise auch Mitglied unseres Jaguar Daimler Clubs wurde. Ein schöneres Zeichen der Verbundenheit mit unserer Gemeinschaft hätte es wohl kaum geben können.
Donnerstag, 9. Juli – Der Beginn einer besonderen Reise
Für mich begann die Reise bereits in den frühen Morgenstunden des 9. Juli. Noch vor Sonnenaufgang machte ich mich von Simbach am Inn aus auf den Weg nach Vettelschoß in Rheinland-Pfalz.
Dort warteten im Little Britain Inn bereits Sabine, Birgit und Dirk, die schon am Vorabend angereist waren. Das Little Britain ist längst kein Geheimtipp mehr für Liebhaber britischer Kultur. Schon beim Betreten fühlt man sich eher wie in einem gemütlichen englischen Country Pub als in einem Hotel in Deutschland. Union Jacks, Erinnerungsstücke aus Großbritannien und die herzliche Gastfreundschaft schaffen eine Atmosphäre, die den perfekten Auftakt für unsere bevorstehende Englandreise bildete. Bei einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück wurden die letzten Reisevorbereitungen getroffen. Die Vorfreude war allen anzumerken. Schließlich lag nicht irgendein Clubtreffen vor uns, sondern das Jubiläum jenes Clubs, mit dem uns eine enge und freundschaftliche Verbindung verbindet.
Anschließend machten wir uns gemeinsam auf den Weg in Richtung Niederlande.

Hoek van Holland – Die Reisegruppe ist komplett
Je näher wir der Nordseeküste kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Im Fährhafen von Hoek van Holland trafen wir schließlich den zweiten Teil unserer Reisegruppe. Roswitha und Martin Muth trafen ebenso ein wie Mathias Warnecke mit seinem Sohn Lukas. Nach der herzlichen Begrüßung war unsere kleine Delegation vollständig. Besonders erfreulich war, dass Lukas die Reise gleich zum Anlass nahm, unserem Jaguar Daimler Club beizutreten. Es ist immer schön zu erleben, wenn sich auch die jüngere Generation für die Marke Jaguar begeistert und Teil unserer Gemeinschaft werden möchte. Gerade solche Momente zeigen, dass unser Club lebt und seine Zukunft bereits begonnen hat. Während wir auf das Boarding warteten, blieb ausreichend Zeit für erste Gespräche über das bevorstehende Programm. Jeder hatte seine eigenen Erwartungen an diese Reise. Für die einen standen historische Fahrzeuge im Mittelpunkt, andere freuten sich besonders auf Brooklands oder Browns Lane. Einig waren wir uns jedoch alle darüber, dass uns außergewöhnliche Tage bevorstanden.
Mit der Stena Line nach England
Am Abend rollten schließlich unsere Fahrzeuge an Bord der Fähre, die uns über Nacht nach Harwich bringen sollte. Kaum hatten wir unsere Kabinen bezogen, zog es uns wieder an Deck. Langsam entfernte sich das Schiff vom Hafen, während die letzten Sonnenstrahlen die Nordsee in ein warmes Licht tauchten. Es war jener besondere Moment, in dem einem bewusst wird, dass der Alltag nun endgültig hinter einem liegt. Beim gemeinsamen Abendessen wurde bereits lebhaft über Jaguar diskutiert. Natürlich durfte dabei auch das Fachsimpeln über seltene Modelle, technische Besonderheiten und kommende Programmpunkte nicht fehlen. Gerade diese Gespräche gehören zu jeder Clubreise dazu und machen einen großen Teil ihres besonderen Charmes aus. Im Laufe des Abends zog es uns immer wieder hinaus auf die Außendecks. Der frische Seewind, die langsam verschwindende niederländische Küste und die Vorfreude auf England sorgten für eine ganz besondere Stimmung. Irgendwann kehrte schließlich Ruhe auf dem Schiff ein. Während die Stena Britanndica ihren Kurs durch die Nordsee hielt, endete der erste Reisetag – voller Vorfreude auf das, was uns am nächsten Morgen erwarten würde.

Freitag, 10. Juli – Endlich England
Noch vor dem Frühstück erreichten wir Harwich. Schon beim Verlassen des Schiffes stellte sich jenes vertraute Gefühl ein, das wohl viele Englandliebhaber kennen. Linksverkehr, englische Straßenschilder, rote Telefonzellen und die unverwechselbare Landschaft vermittelten sofort das Gefühl, wieder in jenem Land angekommen zu sein, in dem Jaguar seine Wurzeln hat. Vor uns lag nun die Fahrt quer durch den Süden Englands bis in die malerischen Cotswolds – eine der schönsten Regionen des Landes. Sanfte Hügel, gepflegte Natursteinmauern, jahrhundertealte Dörfer und schmale Landstraßen begleiteten uns auf unserem Weg. Gerade mit klassischen Jaguar lässt sich diese Landschaft in einer Weise genießen, wie es wohl kaum an einem anderen Ort möglich wäre. Unser erstes Ziel war allerdings kein historisches Herrenhaus und auch kein Museum, sondern ein Pub, das in den vergangenen Jahren weltweit Bekanntheit erlangt hat.

The Farmer's Dog – Jeremy Clarksons Pub
Unser erstes Ziel in England war das inzwischen weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannte The Farmer's Dog in den Cotswolds. Seit Jeremy Clarkson das traditionsreiche Landgasthaus übernommen hat, entwickelte es sich innerhalb kürzester Zeit zu einem beliebten Treffpunkt für Liebhaber britischer Lebensart, regionaler Kulinarik und nicht zuletzt für Fans der erfolgreichen Serie Clarkson's Farm. Bereits bei der Ankunft herrschte reges Treiben. Zahlreiche Besucher genossen die außergewöhnliche Atmosphäre, während rund um das Pub der Blick weit über die sanfte Hügellandschaft der Cotswolds schweifte. Gerade diese Verbindung aus typisch englischer Gastfreundschaft, ländlicher Idylle und der Handschrift Jeremy Clarksons verleiht diesem Ort seinen ganz besonderen Reiz. Selbstverständlich ließen auch wir es uns nicht nehmen, dort eine ausgiebige Mittagspause einzulegen. Bei regionalen Spezialitäten und einem kühlen Getränk wurde nicht nur über die bevorstehenden Programmpunkte gesprochen, sondern auch das besondere Ambiente genossen. Es war der ideale Auftakt für unsere ersten Stunden auf englischem Boden. Mit jedem Kilometer wurde nun deutlicher, dass wir uns dem eigentlichen Mittelpunkt unseres Jubiläumswochenendes näherten.


Oatlands Park – Treffpunkt der internationalen Jaguar-Familie
Am Nachmittag erreichten wir schließlich das Oatlands Park Hotel in Weybridge. Das eindrucksvolle Herrenhaus blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück und befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen königlichen Anwesens. Eingebettet in eine weitläufige Parklandschaft verbindet das Hotel historischen Charme mit britischer Eleganz und bildete den perfekten Rahmen für das 70-jährige Jubiläum des Jaguar Drivers' Club. Bereits auf dem Parkplatz wurde deutlich, welche Bedeutung dieses Wochenende haben würde. Jaguar und Daimler sämtlicher Epochen standen nebeneinander – vom liebevoll gepflegten Vorkriegsfahrzeug bis zum aktuellen Modell. Überall begegnete man bekannten Gesichtern. Alte Freundschaften wurden erneuert, neue Bekanntschaften geschlossen und überall war die Vorfreude auf die kommenden Tage deutlich spürbar. Auch für uns war das Wiedersehen mit vielen Freunden aus England jedes Mal etwas Besonderes. Seit der Gründung unseres Jaguar Daimler Clubs sind zahlreiche persönliche Kontakte entstanden, die weit über die gemeinsame Leidenschaft für Automobile hinausgehen. Genau diese internationale Kameradschaft macht den Jaguar Drivers' Club und auch unseren Club so außergewöhnlich. Der Abend verlief bewusst ruhig. Nach der langen Anreise blieb ausreichend Zeit, das Hotel zu erkunden, erste Gespräche zu führen und sich auf den kommenden Tag einzustimmen.

Samstag, 11. Juli – Unterwegs mit dem Roadbook
Nach einem typisch englischen Frühstück erwartete uns bereits der erste offizielle Programmpunkt des Jubiläumswochenendes. An der Rezeption lagen die liebevoll gestalteten Roadbooks bereit, welche eigens für diese Veranstaltung ausgearbeitet worden waren. Sie führten auf landschaftlich besonders reizvollen Straßen durch Surrey und verbanden historische Orte, kleine Dörfer und typisch englische Landstraßen miteinander. Wir teilten uns auf zwei Fahrzeuge auf und machten uns auf den Weg. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, mit welcher Sorgfalt diese Route zusammengestellt worden war. Immer wieder wechselten sich enge Alleen, kleine Ortschaften, herrschaftliche Landsitze und herrliche Ausblicke auf die typisch englische Landschaft ab. Gerade solche Straßen scheinen wie geschaffen für unsere Jaguar. Natürlich durfte unterwegs auch die Einkehr in einem traditionellen Pub nicht fehlen. Sowohl unsere Besatzung als auch das zweite Fahrzeug legten unabhängig voneinander eine gemütliche Pause ein und genossen die entspannte Atmosphäre, wie sie wohl nur ein englisches Dorfpub vermitteln kann. Während Mathias, Lukas, Birgit und Dirk nach Abschluss der Ausfahrt direkt zum Hotel zurückkehrten, entschieden sich Sabine, Roswitha, Martin und ich noch für einen kleinen Abstecher. Unser Weg führte uns an die Themse, wo wir schließlich auf einer kleinen Insel unmittelbar am Wasser einen wunderschönen Platz fanden. Bei sommerlichen Temperaturen ließen wir dort den Nachmittag in aller Ruhe ausklingen. Erst am späten Nachmittag kehrten auch wir zum Oatlands Park Hotel zurück, denn der gesellschaftliche Höhepunkt des Wochenendes stand unmittelbar bevor.
Ein Galaabend zum 70-jährigen Jubiläum
Der Jaguar Drivers' Club hatte anlässlich seines siebzigjährigen Bestehens zu einem festlichen Galaabend eingeladen – und bereits der Sektempfang auf der sonnigen Terrasse ließ erkennen, welch besonderen Stellenwert dieses Jubiläum innerhalb des Clubs einnahm. Bei außergewöhnlich sommerlichen Temperaturen versammelten sich mehr als 170 Mitglieder und Gäste auf der Terrasse des Oatlands Park Hotels. Es wurde gelacht, Erinnerungen wurden ausgetauscht und überall entstanden interessante Gespräche zwischen Jaguar-Enthusiasten aus den unterschiedlichsten Ländern. Anschließend wechselten wir in den festlich dekorierten York Suite, wo das Jubiläumsdinner stattfand. Mit viel Charme und typisch schottischem Humor führte der erst kürzlich in den Vorstand berufene Andrew Martin durch den Abend – selbstverständlich standesgemäß im Kilt gekleidet. Als Ehrengast sprach Alex Patterson, Geschäftsführer des Brooklands Museum. In seinem Vortrag gab er einen spannenden Einblick in die Geschichte der legendären Rennstrecke und stellte zugleich die neue Sonderausstellung anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des ersten britischen Grand Prix vor. Seine Ausführungen steigerten die Vorfreude auf den Besuch des Museums am folgenden Tag noch zusätzlich. Im Anschluss fand die traditionelle Tombola statt, deren Erlös der Wohltätigkeitsorganisation Headway zugutekam. Es war schön zu sehen, mit welchem Engagement der Jaguar Drivers' Club seit vielen Jahren auch soziale Projekte unterstützt. Es folgte die Verleihung der Chairman's Trophy, welche Chairman Tony Merrygold an Vertreter des JDC Scotland überreichte. Besonders emotional wurde es, als der bekannte Jaguar-Historiker Paul Skilleter mit der Bob Berry Trophy für seine jahrzehntelangen Verdienste um den Jaguar Drivers' Club ausgezeichnet wurde. Die Überraschung war ihm sichtlich anzusehen und wurde von langanhaltendem Applaus begleitet. Den wohl bewegendsten Moment des gesamten Abends erlebte schließlich Chairman Tony Merrygold selbst. Völlig unerwartet trat Georg Dönni vom Jaguar Drivers' Club Switzerland nach vorne und überreichte ihm ein außergewöhnliches Geschenk: einen originalen Ziegelstein aus dem ehemaligen Jaguar-Werk in Browns Lane, den er während der Abbrucharbeiten gerettet hatte. Versehen mit einer gravierten Plakette sowie dem Abzeichen des Schweizer Jaguar Drivers' Club war dieses Geschenk weit mehr als nur ein Erinnerungsstück. Es war ein greifbares Stück Jaguar-Geschichte und zugleich ein Symbol für die außergewöhnliche Verbundenheit innerhalb der internationalen Jaguar-Familie. Als der Abend langsam seinem Ende entgegenging, wurde einmal mehr deutlich, weshalb der Jaguar Drivers' Club seit mittlerweile sieben Jahrzehnten Menschen aus aller Welt verbindet. Es sind nicht allein die Automobile, die diese Gemeinschaft ausmachen. Es sind Freundschaften, gegenseitiger Respekt und die gemeinsame Begeisterung für eine Marke, deren Geschichte bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Mit genau diesem Gefühl ließen wir den Abend ausklingen – voller Vorfreude auf den nächsten Tag, an dem uns mit dem National Day in Brooklands einer der absoluten Höhepunkte unserer Englandreise erwarten sollte.
Sonntag, 12. Juli – National Day in Brooklands
Der Sonntag stand ganz im Zeichen jenes Ereignisses, auf das sich wohl alle Teilnehmer seit Monaten gefreut hatten – dem National Day des Jaguar Drivers' Club auf dem historischen Gelände von Brooklands. Brooklands ist weit mehr als nur ein Museum. Hier wurde 1907 die erste speziell errichtete Motorsport-Rennstrecke der Welt eröffnet. Jahrzehntelang entstanden an diesem Ort technische Innovationen, Motorsportgeschichte und zahlreiche Rekorde. Gleichzeitig entwickelte sich Brooklands zu einem bedeutenden Zentrum der britischen Luftfahrt. Kaum ein anderer Ort verbindet die Geschichte des Automobils und der Luftfahrt in vergleichbarer Weise. Bereits am frühen Morgen herrschte rund um das Gelände reger Betrieb. Aus allen Teilen Großbritanniens und aus zahlreichen europäischen Ländern trafen Jaguar und Daimler aller Epochen ein. Dank der hervorragenden Organisation verlief die Einfahrt völlig reibungslos. Zahlreiche Helfer des Jaguar Drivers' Club sowie des Brooklands Museums sorgten dafür, dass jedes Fahrzeug seinen vorgesehenen Stellplatz erhielt. Schon beim Betreten des Geländes erhielt jeder Teilnehmer eine liebevoll zusammengestellte Erinnerungstasche. Besonders gefreut habe ich mich über den hochwertigen Nachdruck der ersten Ausgabe des Jaguar Driver aus dem Jahr 1958. Ergänzt wurde dieser durch ein eigens gestaltetes Veranstaltungsprogramm, dessen Titelblatt bewusst an eben diese historische Erstausgabe angelehnt war – eine ausgesprochen gelungene Idee. Über das gesamte Areal verteilt präsentierten sich die unterschiedlichsten Modellreihen und Register. Für die Fahrzeuge der Timeline, des XK Registers, des XJ-S Registers, der E-Type Register sowie für die Bewerber um die Riwax Trophy waren eigene Bereiche reserviert. Auch zahlreiche regionale Sektionen des Jaguar Drivers' Club hatten ihre eigenen Stellflächen, während sich hunderte weitere Fahrzeuge eindrucksvoll entlang der ehemaligen Zielgeraden der legendären Rennstrecke aufreihten. Allein dieser Anblick war überwältigend. Vom eleganten SS Jaguar über die legendären XK-Modelle, E-Type, Mark-Limousinen, XJ aller Generationen bis hin zu den aktuellen Fahrzeugen spannte sich ein einzigartiger Bogen durch nahezu ein Jahrhundert Jaguar-Geschichte. Für jeden Liebhaber britischer Automobile bot sich hier ein Bild, das man so wohl nur selten zu Gesicht bekommt. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit, viele Fahrzeuge aus nächster Nähe zu betrachten und mit ihren Besitzern ins Gespräch zu kommen. Gerade diese persönlichen Begegnungen machen den besonderen Reiz solcher Veranstaltungen aus. Immer wieder entwickelten sich interessante Fachgespräche über Restaurierungen, technische Details oder außergewöhnliche Fahrzeuggeschichten. Ein besonderer Programmpunkt war auch die legendäre Test Hill. Bereits seit den Anfangsjahren von Brooklands mussten sich dort Fahrzeuge ihrer Leistungsfähigkeit stellen. Im Rahmen des National Day wagten zahlreiche Mitglieder sowie Fahrzeuge des Jaguar Daimler Heritage Trust die Fahrt über die historische Steigung. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit selbst seltene Museumsfahrzeuge den Hügel erklommen. Gleichzeitig zeigte dies eindrucksvoll, dass diese Automobile nicht lediglich sorgfältig konservierte Ausstellungsstücke sind, sondern nach wie vor bewegt und gefahren werden – ganz im Sinne ihrer Erbauer. Selbstverständlich blieb auch genügend Zeit, das Brooklands Museum ausführlich zu erkunden. Zwischen historischen Rennwagen, Flugzeugen und den berühmten Überresten der Steilkurve wird einem bewusst, welche Bedeutung dieser Ort für die britische Technikgeschichte besitzt. Die Stunden vergingen beinahe unbemerkt. Überall begegnete man bekannten Gesichtern. Alte Freundschaften wurden gepflegt, neue Kontakte geknüpft und immer wieder entstanden spontane Gespräche mit Jaguar-Freunden aus England, der Schweiz, den Niederlanden und vielen weiteren Ländern. Genau diese internationale Kameradschaft ist es, welche den Jaguar Drivers' Club seit mittlerweile sieben Jahrzehnten prägt. Im Laufe des Nachmittags machten sich die Teilnehmer nach und nach wieder auf den Weg. Manche traten bereits die Heimreise an, andere nutzten die Gelegenheit für weitere Ausflüge durch England. Auch unsere kleine Reisegruppe verließ Brooklands schließlich in unterschiedlichen Etappen. Am Abend trafen wir uns jedoch alle im Welcombe Hotel in Stratford-upon-Avon, das für die nächsten beiden Nächte unser gemeinsamer Ausgangspunkt sein sollte. Beim Abendessen wurden die Eindrücke des Tages noch einmal ausführlich besprochen. Jeder hatte seine persönlichen Höhepunkte erlebt, jeder hatte außergewöhnliche Fahrzeuge entdeckt und interessante Gespräche geführt. Trotz der Größe der Veranstaltung herrschte überall eine bemerkenswert familiäre Atmosphäre – etwas, das den Jaguar Drivers' Club seit jeher auszeichnet. Während der Abend langsam ausklang, richteten sich unsere Gedanken bereits auf den kommenden Tag. Denn nun sollte jene Reise beginnen, auf die ich mich persönlich wohl am meisten gefreut hatte: Coventry, Jaguar Land Rover Classic, Browns Lane und damit das eigentliche Herz der Geschichte unserer Lieblingsmarke.
Montag, 13. Juli – Im Herzen der Marke Jaguar
Für uns war der Montag zweifellos auch einer der Höhepunkte der gesamten Reise. Nach den beeindruckenden Erlebnissen in Brooklands führte uns unser Weg nun nach Coventry – in jene Stadt, die über Jahrzehnte hinweg untrennbar mit der Geschichte von Jaguar verbunden war. Bereits am Morgen machten wir uns vom Welcombe Hotel aus auf den Weg nach Ryton-on-Dunsmore, wo uns ein Besuch erwartete, der nur wenigen Jaguar-Enthusiasten vergönnt ist.
Ein Blick hinter die Kulissen von Jaguar Land Rover Classic
Schon das Betreten des Geländes von Jaguar Land Rover Classic vermittelt das Gefühl, an einem ganz besonderen Ort angekommen zu sein. Hier werden nicht einfach alte Fahrzeuge repariert – hier wird Automobilgeschichte bewahrt. In den modern ausgestatteten Werkstätten entstehen auf höchstem handwerklichem Niveau Restaurierungen, wie sie wohl nur der Hersteller selbst durchführen kann. Zahlreiche historische Jaguar und Land Rover befinden sich hier gleichzeitig in den unterschiedlichsten Stadien ihrer Wiederherstellung. Jedes Fahrzeug wird mit einer Liebe zum Detail behandelt, die eindrucksvoll zeigt, welchen Stellenwert das historische Erbe innerhalb des Unternehmens besitzt.Bereits dieser Einblick wäre die Reise wert gewesen. Doch unser Besuch hielt noch eine ganz besondere Überraschung bereit. Wir erhielten die außergewöhnliche Möglichkeit, auch jene Hallen zu besichtigen, die der Öffentlichkeit normalerweise verschlossen bleiben. Dort befindet sich die werksinterne Sammlung von Jaguar Land Rover – eine Sammlung, wie sie wohl sie wenig andere Automobilhersteller in dieser Form besitzen. Schon beim Betreten dieser Hallen verschlug es uns beinahe die Sprache. Reihe um Reihe standen dort Fahrzeuge, die einen Querschnitt durch die gesamte Geschichte des Unternehmens bilden. Zahlreiche Einzelstücke, frühe Entwicklungsfahrzeuge und Prototypen, die niemals den Weg in eine Serienproduktion fanden, dokumentieren eindrucksvoll den Entwicklungsprozess der vergangenen Jahrzehnte. Besonders faszinierend waren die zahlreichen Filmautos, welche in internationalen Kinoproduktionen zum Einsatz kamen. Fahrzeuge, die man bislang nur von der Leinwand kannte, standen plötzlich nur wenige Meter entfernt vor uns. Ebenso beeindruckend war die Sammlung ehemaliger Staats- und Repräsentationsfahrzeuge. Mehrere Automobile, welche über viele Jahre von Queen Elizabeth II. genutzt wurden, werden hier ebenso sorgfältig bewahrt wie zahlreiche weitere Fahrzeuge der königlichen Familie. Ein ganz besonderes Highlight erwartete uns schließlich in einer der Werkstätten. Dort stand zu diesem Zeitpunkt der ehemalige Range Rover des damaligen Prince of Wales, heute Seiner Majestät König Charles III. Das Fahrzeug befand sich gerade zur Wartung beziehungsweise Restaurierung bei Jaguar Land Rover Classic. Ein solches Automobil aus unmittelbarer Nähe betrachten zu dürfen, gehört zweifellos zu jenen Erlebnissen, die man nicht so schnell vergisst. Während unseres Rundgangs wurde immer wieder deutlich, mit welchem Respekt hier das eigene Erbe behandelt wird. Jaguar Land Rover Classic versteht sich nicht nur als Restaurierungsbetrieb, sondern vielmehr als Hüter einer über hundertjährigen Unternehmensgeschichte.
Browns Lane – Die Geburtsstätte unzähliger Legenden
Nach diesen außergewöhnlichen Eindrücken führte uns unser Weg weiter nach Browns Lane. Für viele Außenstehende mag Browns Lane heute lediglich eine Adresse in Coventry sein. Für Jaguar-Enthusiasten besitzt dieser Ort jedoch beinahe mythischen Charakter. Von 1951 bis 2005 befand sich hier das Hauptwerk von Jaguar. Hier entstanden legendäre Fahrzeuge wie der XK120, der Mark II, der E-Type, sämtliche Generationen des XJ, der XJ-S und viele weitere Modelle, welche bis heute Automobilgeschichte schreiben. Auch wenn große Teile des ehemaligen Werksgeländes inzwischen verschwunden sind, lässt sich die besondere Atmosphäre noch immer spüren. Es ist einer jener Orte, an denen Geschichte nicht nur erzählt wird – man glaubt sie beinahe fühlen zu können.

Das British Motor Museum – Mehr als nur ein Museum
Nach dem Besuch bei Chris führte uns unsere Reise weiter nach Gaydon, wo mit dem British Motor Museum bereits der nächste Höhepunkt auf uns wartete. Wer dieses Museum noch nicht besucht hat, stellt sich darunter vielleicht eine klassische Sammlung historischer Automobile vor. Tatsächlich ist das British Motor Museum jedoch weit mehr als das. Es erzählt die Geschichte der gesamten britischen Automobilindustrie – von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Über 400 Fahrzeuge dokumentieren eindrucksvoll die Entwicklung britischer Ingenieurskunst. Austin, Morris, MG, Rover, Triumph, Mini, Land Rover, Jaguar und viele weitere Marken sind hier vertreten. Neben zahlreichen Serienfahrzeugen finden sich auch einzigartige Prototypen, Studien und Entwicklungsfahrzeuge, die niemals in Produktion gingen. Gerade diese Vielfalt macht den besonderen Reiz des Museums aus. Natürlich zog es uns immer wieder zu den Jaguar-Fahrzeugen. Es ist faszinierend, die Entwicklung der Marke über viele Jahrzehnte hinweg an einem Ort nachvollziehen zu können. Immer wieder entdeckt man Details, die einem bislang verborgen geblieben waren, und erfährt interessante Hintergrundgeschichten zu einzelnen Modellen. Man hätte problemlos einen ganzen Tag in diesem Museum verbringen können. Hinter nahezu jedem Exponat verbirgt sich eine Geschichte, und gerade als Technikliebhaber verliert man dabei rasch jedes Zeitgefühl. Erst am späten Nachmittag machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg nach Stratford-upon-Avon. Im Welcombe Hotel trafen wir uns ein letztes Mal in dieser Konstellation zum gemeinsamen Abendessen. Die Gespräche drehten sich natürlich um die vielen Eindrücke des Tages. Rückblickend waren wir uns alle einig, dass dieser Montag zweifellos zu den eindrucksvollsten Tagen unserer gesamten Englandreise gehörte. Innerhalb weniger Stunden hatten wir das historische Herz von Jaguar in einer Intensität erleben dürfen, wie es wohl nur selten möglich ist.
Dienstag, 14. Juli – Auf den Spuren von Sir William Lyons
An diesem Tag stand kein Museum mehr auf dem Programm, keine Werkshalle und auch keine Ausstellung. Stattdessen führte uns unser Weg an jene Orte, die untrennbar mit dem Leben des Mannes verbunden sind, ohne den es Jaguar niemals gegeben hätte. Gemeinsam mit unserem Clubfreund Apollonius Nootenboom, der uns an diesem Tag begleitete, fuhren wir zunächst nach Wappenbury Hall. Schon die Anfahrt durch die ruhige Landschaft Warwickshires vermittelt eine besondere Stimmung. Fernab größerer Straßen liegt das ehemalige Anwesen von Sir William Lyons, eingebettet in eine Parklandschaft, wie sie typisch für das ländliche England ist. Hier lebte jener Mann, dessen Sinn für Eleganz, Perfektion und technische Innovation Jaguar zu einer der angesehensten Automobilmarken der Welt werden ließ. Natürlich ist Wappenbury Hall heute ein privates Anwesen. Dennoch genügt bereits der Blick auf dieses beeindruckende Gebäude, um sich gedanklich in jene Zeit zurückzuversetzen, als Sir William Lyons hier lebte und vermutlich an vielen Ideen arbeitete, welche später Automobilgeschichte schreiben sollten. Für mich war dies kein gewöhnlicher Programmpunkt. Es war vielmehr ein stilles Innehalten an einem Ort, an dem ein bedeutendes Kapitel der Jaguar-Geschichte seinen Ursprung hatte.
Ein bewegender Moment in Wappenbury
Nur wenige Meter entfernt befindet sich die kleine Pfarrkirche St. John the Baptist. Zwischen alten Bäumen und einem liebevoll gepflegten Friedhof liegt dort die letzte Ruhestätte von Sir William Lyons. Gemeinsam gingen wir langsam über den Friedhof, bis wir schließlich vor seinem Grab standen. Nach all den Orten, die wir während dieser Reise besucht hatten – Brooklands, Browns Lane, Jaguar Land Rover Classic – wirkte dieser Moment beinahe wie der Abschluss eines Kreises. Hier endet nicht nur das Leben des Gründers von Jaguar. Hier beginnt gleichzeitig die Erinnerung an einen Menschen, dessen Ideen bis heute Generationen von Ingenieuren, Designern und Automobilfreunden inspirieren. Auch die kleine Kirche selbst beeindruckte uns nachhaltig. Ihre schlichte Architektur, die jahrhundertealte Geschichte und die friedliche Atmosphäre verleihen diesem Ort eine ganz besondere Würde. Es war einer jener seltenen Augenblicke, in denen man bewusst innehält und sich darüber klar wird, welch außergewöhnliche Geschichte hinter den Fahrzeugen steckt, die uns seit vielen Jahren begleiten.

Ein letzter gemeinsamer Stopp im Pub
Nach diesen bewegenden Eindrücken durfte selbstverständlich auch die britische Gastfreundschaft noch einmal genossen werden. In einem gemütlichen Pub unweit von Wappenbury stärkten wir uns und ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Es wurde viel gelacht, Erinnerungen wurden ausgetauscht und natürlich entstanden bereits erste Ideen für zukünftige Englandreisen.Langsam zeichnete sich jedoch ab, dass sich unsere Wege nun trennen würden. Sabine, Birgit und Dirk entschieden sich für einen Besuch des Silverstone Museums, während Roswitha und Martinihre Reise in Richtung Schottland fortsetzten. Für Mathias, seinen Sohn Lukas und mich stand hingegen noch ein weiterer Programmpunkt auf dem Plan.
Duxford – Technikgeschichte am Himmel
Unser Weg führte uns zum Imperial War Museum Duxford. Schon beim Betreten des ehemaligen Militärflugplatzes wird deutlich, weshalb Duxford als eines der bedeutendsten Luftfahrtmuseen Europas gilt. Gewaltige Hangars beherbergen Flugzeuge aus nahezu allen Epochen der Luftfahrtgeschichte. Besonders beeindruckend waren die zahlreichen flugfähigen Spitfire, Hurricane, Mustang, der mächtige B-52, die legendäre Concorde und viele weitere historische Maschinen. Auch wenn dieser Besuch keinen unmittelbaren Bezug zu Jaguar hatte, verbindet beide Welten doch dieselbe Faszination für britische Ingenieurskunst und technische Perfektion. Für uns war Duxford der ideale Abschluss einer Reise, die weit über das Thema Automobil hinausging.
Abschied von England
Am frühen Abend trafen wir uns schließlich wieder im Hafen von Harwich. Unsere Fahrzeuge rollten ein letzztes Mal gemeinsam an Bord der Stena Hollandica, die uns über Nacht zurück nach Hoek van Holland bringen sollte. Während das Schiff langsam den Hafen verließ und die englische Küste immer kleiner wurde, blieb ausreichend Zeit, die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Fünf Tage voller Begegnungen. Fünf Tage voller Geschichte. Fünf Tage voller Eindrücke, die wohl keiner von uns so schnell vergessen wird. Nach einer ruhigen Nacht erreichten wir am nächsten Morgen wieder die Niederlande. Am Morgen, noch auf der Fähre, verabschiedeten wir uns schließlich voneinander. Da jeder von uns einen anderen Heimweg vor sich hatte, trennten sich hier unsere Wege.
Eine Reise, die in Erinnerung bleibt
Wenn man heute auf diese Englandreise zurückblickt, denkt man zunächst an außergewöhnliche Automobile, historische Orte und beeindruckende Museen. Doch all das wäre nur die halbe Wahrheit. Es sind vor allem die Menschen, welche diese Reise unvergesslich gemacht haben. Die herzliche Gastfreundschaft des Jaguar Drivers' Club, die vielen persönlichen Gespräche, das Wiedersehen mit alten Freunden und das Kennenlernen neuer Jaguar-Enthusiasten machten einmal mehr deutlich, dass unsere gemeinsame Leidenschaft weit über das Automobil hinausgeht. Gerade als Präsident des Jaguar Daimler Club erfüllt es mich mit großer Freude und auch mit ein wenig Stolz, Teil dieser internationalen Gemeinschaft sein zu dürfen. Über viele Jahre hinweg sind Freundschaften entstanden, die Ländergrenzen überwinden und zeigen, dass Jaguar Menschen auf eine ganz besondere Weise verbindet. Mein herzlicher Dank gilt dem Jaguar Drivers' Club für die außergewöhnliche Organisation dieses Jubiläumswochenendes sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Reise für die kameradschaftliche Gemeinschaft, die vielen schönen Gespräche und die unvergesslichen gemeinsamen Erlebnisse. Ich bin überzeugt, dass diese Reise allen noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Und vielleicht ist genau das das größte Kompliment, das man einer solchen Reise machen kann. Sie endet mit der Heimkehr – aber ihre Geschichten werden noch viele Jahre weitererzählt werden.












































































































































